VORTRÄGE - REFERATE

GENERALVERSAMMLUNG 2017

 

Prof. Garnitschnig gibt einen Überblick der Aktivitäten der letzten 4 Jahre

 

Aus einer „virtuellen Gesellschaft“ wurde durch den Neustart eine sehr aktive Gemeinschaft, die das Werk Korczaks und sein Erbe lebendig hält. Die Hoffnung für die zukünftige Arbeit sind öffentliche Bedeutung zu erhalten und vor allem eine lebendige Lobby für Kinder zu sein.

 

Es gab in den letzten 4 Jahren u.a. ein Lesetheater: Korczak und die Kinder im jüd. Kulturinstitut (Seitenstättengasse), ein Theaterstück: „Wenn ich wieder klein bin“ im MuMok,  in Vorarlberg: wurde „Janusz Korczak König der Kinder“ aufgeführt, Prof. Garnitschnig hielt viele Vorträge über Korczak, Andreas Fischer hält in der Christlichen Lehrerschaft Wiens einige Referate und bringt Artikel in der Wiener Lehrerzeitung. Die Kooperation mit der VHS Mariahilf – vor allem im Rahmen der Tage der Kinderrechte wird forciert. Eine eigene Ausstellung wird geplant und hergestellt (14 Rollups)    Diese Ausstellung wird durch viele andere Gegenstände, einer Video und einer Audio-Station ergänzt und zwischen 9.1. und 28. 2. Im Stadtschulrat gezeigt. F. Mag. Manhartsberger-Zuleger führt viele Gruppen unterschiedlicher Menschen (Schüler, Studenten, auch Nichtlehrer) durch die Ausstellung und begeistert für den Menschen, dem die Ausstellung gewidmet ist. 

Heide Manhartsberger  berichtet anhand einiger Fotos über diverse Veranstaltungen, Andreas Fischer zeigt die Homepage und berichtet über Gestaltung des Newsletters und der Bitte um Einbringung von Inhalten. 

Die Rechnungsprüfung: Herbert Stadler und Richard Felsleitner prüften die Kassa und ersuchen die Generalversammlung um Entlastung.Einstimmig erfolgt die Entlastung des Kassiers und des Vorstandes…

Dr. Karl Garnitschnig  wird einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Stellvertreterin: Dr. Camhy, Kassier: Dr. Michael Lugger; Kassier Stv. : Mag. Heide Manhartsberger-Zuleger. Auch diese Peronen werden einstimmig gewählt. Als Rechnungsprüfer werden RR Felsleitner und Prof. Herbert Stadler einstimmig gewählt.

Überlegungen – weiterer Aktivitäten

 ·         Der Korczak-Award, der „Janusz“ wird weiterhin vergeben  werden– diesmal an Kinder und Jugendliche, die unter schwierigen Bedingungen dennoch  Erfolg haben….  Auch das Unscheinbare wird gewürdigt….Die Preisverteilung wird im poln. Institut stattfinden - reihum werden nun die Bundesländer befragt. Wir sind als Österr. Gesellschaft  aufgerufen, die Kinder Österreichs wahrzunehmen.

 ·        Die Ausstellung wird weiterhin verborgt. Sie ist schon für den Rest des Jahres ausgebucht: derzeit in Graz, am 29. Mai 2017 wird sie an die NMS 2; Max Winterplatz kommen, wo SchülerInnen den Lehrerinnen diese präsentieren werden. Danach VHS Simmering und wieder nach Graz,… Hoffnung, dass nach der Ausstellung in Salzburg auch andere Bundesländer sich melden.

 

 ·     Verbindung zur intern. Korczak  Gesellschaft: Berufsschule in der Embelgasse: Unterstützung einer Schreibwerkstatt durch Heide Manhartsberger-Zuleger: Zukünftige Verwaltungsassistenten der Stadt Wien – Heide arbeitet mit Jugendlichen Schriftstücke, die Menschen belasten, …. Begriffe wie: Entjudung… Reichsfluchtsteuer, Endlösung ,… werden bearbeitet , da stecken auch Gesetze dahinter,… Schriftstücke werden bearbeitet – als Krimi wird dies zusammengefasst und für Warschau im Sept. präsentiert.

 ·       Salzburg: Programm: 2 Workshops – Film und Korczak und die Schule, die Literatur und die Wissenschaft

 ·         Politisch aktiv werden…. Vernünftige Politik machen…

 ·          Jour fixe: werden weitergeführt…. 1. Juni 18:00 Uhr: VHS Damböckgasse …

 ·         Kongress Dr. Camhy  veranstaltet am 13. Juni als Leiterin des Institut f. Kinderphilosophie  im Festsaal der VHS Josefstadt ein Symposium zum Thema: "Kinderpornographie" , ein EU -Projekt… mit Vertretern aus EU Ländern,  die ÖJK – Gesellschaft ist Mitveranstalter

Prof. Garnitschnig dankt Herrn Kyril  für seine Arbeit als Generalsekretär.

Prof. Garnitschnig dankt Prof. Dr. Volker Edlinger für die Gründung vor 25 Jahren und für die Bereitschaft uns nun das Hauptreferat des Abends zuhalten. 

 

JANUSZ 2017

 

Rede Korczak- Preis

 

21.2.2017

 

 

 

Wann bekommt man üblicherweise eine Auszeichnung? Natürlich geht es dabei immer um eine besondere Leistung. Im Sport ist das Platz 1, 2 oder 3. In der Wissenschaft gibt es Preise für außergewöhnliche Forschungsergebnisse und beim Film werden Oscars für eine supergespielte Rolle vergeben. Ein Musiker bekommt einen Preis für einen Welt- Hit. Manchmal bekommen auch Feuerwehrleute, Polizisten oder Bergretter eine  Auszeichnung, weil sie Menschenleben gerettet haben. Wenn Polizeihunde oder Lawinensuchhunde besonders erfolgreich waren, bekommen sie eine Knackwurst.

 

Gibt es auch Preise für Kinder, die etwas besonderes geschafft haben, eine Auszeichnung für einen ganz persönlichen Erfolg?

 

Nein, ich glaube, das hat es bisher noch nicht gegeben!

 

Die VertreterInnen der  Korczak- Stiftung hatten eine ganz ausgezeichnete Idee. Kinder sollen einen „besonders- anderen“ Preis bekommen und ich wurde gefragt, ob ich so einen Preis entwerfen kann. Da war ich gleich dabei und gemeinsam mit einem Freund haben wir über einen „besonders- anderen“ Preis nachgedacht - und es hat echt Spaß gemacht !

 

So entstand der „Janusz 2017“, den ihr heute überreicht bekommt. Dr. Janusz Korczak war ein besonderer Mensch, der Kinder gemocht hat, so wie sie sind - mit ihren Stärken UND ihren Schwächen und der gewusst hat, dass jeder Mensch etwas kann.

 

In seinem Sinn ist der Janusz- Preis kein Pokal, keine Medaille, kein Kranz und auch kein Millionengewinn.

 

Er besteht aus Holz und will man ihn aufstellen, muss man ein wenig mit ihm herumspielen. Erst durch das Schieben der Stäbe bekommt das Ding die richtige Balance und kann stehen.                                    Dieser Preis soll Bewegung, Aktivität und Veränderung symbolisieren. Denn auch im Leben ist „nix fix“ ! Er ist kein „elektronisches Spielzeug“, sondern braucht eure Hände, um damit etwas zu bewirken.

 

Herzlichen Dank an die Werkstätte  der Organisation „Jugend am Werk“, wo  unser „Janusz“ hergestellt wurde.

 

Ich wünsche euch viel Freude mit dem Preis und hoffe, dass er euch hin und wieder daran erinnern kann, wofür ihr ihn bekommen habt - für eure guten Ziele, fürs Durchhalten und für euren persönlichen Erfolg.   Die künstlerische Gestalterin des Preises

 

 

 

An den Tagen der DIVERSITÄT 2015 stellten wir unsere Gemeinschaft vor.


Die beiden Rollups und der sehr umfangreiche Literaturtisch motivierten viele, sich über den leider noch immer nicht sehr bekannten Pädagogen zu informieren. Interessante Gespräche ergaben sich und auch das  Skriptum mit ausgesuchten Beiträgen wurde gerne mitgenommen.


AKTUELLES - vertieft

Ein europäischer Traum

Ich bin überzeugt, dass es notwendig ist für einen europäischen Traum zu kämpfen, denn nur in Europa haben wir diesen Standard von Zusammenleben im Sinne der festgeschriebenen Menschenrechte erreicht, weit mehr als in vergangenen Jahrhunderten.
Wer Kinder als Lebewesen mit individuellen Fähigkeiten (an)erkennt, ihnen Respekt und Anerkennung (Liebe) schenkt und sie lehrt, einander ebenso zu begegnen, wird die Gesellschaft verändern, zumindest in Europa, wo wir durch unsere Geschichte die Erfahrung gemacht haben, dass Friede Respekt und Leben nach dem Gesetz erfordert. Korczak wird der "Vater der Kinderrechte" genannt. Die Sonnenberg-Vereinigung wurde von Menschen die dem Naziterror entkommen sind gegründet, um Intoleranz zu überwinden indem wir Respekt und Solidarität zumindest innerhalb der europäischen Familie lehren.
Wie können wir das tun? Lasst uns eine Erklärung der Rechte der Zivilgesellschaft verfassen, anstatt gegeneinander zu kämpfen. Lasst uns die geistige Kraft sammeln für die Bedürfnisse gemeinsamer Wohlfahrt, besonders für unsere Kinder in einer Welt von morgen!

                                                                              Prof. OStR Mag. Heide Manhartsberger-Zuleger

 

WORKSHOP - Pädagogik im Aufbruch

 

Die Teilnehmerinnen wurden eingeladen, sich mit den Kinderrechten und ihrem "Erfinder" Janusz Korczak auseinander zu setzen, die Menschenrechte besser kennen zu lernen und die UN-Konvention der Menschen mit Behinderung zu diskutieren. Gemeinsam wurden Ideen entwickelt, wie diese Konventionen mehr ins Bewusstsein aller Menschen rücken können, wie wir einen Beitrag leisten können, dass sich das Zusammenleben der Menschen verbessert.

Mehr zur Ausstellung "Kindern eine Stimme geben"

 

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Aktueller Artikel

Janusz Korczak und die Schule - Vortrag von Prof. Dr. Karl GARNITSCHNIG

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Janusz Korczak – Charlotte Bühler – Hildegard Hetzer und die Kinderpsychologie


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Kinderrechte und Janusz Korczak

1924 wurde die Genfer Erklärung über die Rechte des Kindes von der Generalversammlung des Völkerbundes verabschiedet. Sie bekam aber nie eine Rechtsverbindlichkeit. Erst am 20. November 1989 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Konvention über die Rechte des Kindes.

Österreich ist 1993 der UN-Konvention über die Rechte des Kindes mit Vorbehalt beigetreten. In der Präambel der Konvention wird die Würde jedes Menschen betont und "dass das Kind zur  vollen und harmonischen Entfaltung seiner Persönlichkeit ... und umgeben von Glück, Liebe und Verständnis aufwachsen sollte" und "dass das Kind auf ein individuelles Leben in der Gesellschaft vorbereitet ... und insbesondere im Geist des Friedens, der Würde, der Toleranz, der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität erzogen werden sollte".

 

Im Weiteren seien nur die für das Schulwesen wichtigsten Artikel angeführt:

Art. 2: Das Kind ist vor jeder Form von Diskriminierung zu schützen, das Wohl des Kindes (Art. 3) und seine Entwicklung ist vorrangig zu berücksichtigen (Art. 4). Sobald das Kind fähig ist, eine eigene Meinung zu bilden, hat es das Recht, diese "in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern" (Art. 12). Selbstverständlich hat ein geistig oder körperlich behindertes Kind das Recht, "ein erfülltes und menschenwürdiges Leben unter Bedingungen (zu führen), welche die Würde des Kindes wahren, seine Selbständigkeit fördern und seine aktive Teilnahme am Leben der Gemeinschaft erleichtern" (Art. 23). Und in Art. 29 heißt es, dass die Bildung des Kindes darauf gerichtet sein muss, "die Persönlichkeit, die Begabung und die geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Kindes voll zur Entfaltung zu bringen". Dies geschieht in Schulen leider nur zum geringen Teil und so erfahren die Kinder und Jugendlichen im Sinne von Johan Galtung tagtäglich "strukturelle Gewalt".

 

Das Wissen darüber ist da, aber diese Rechte werden erst gelebt und können erst gelebt werden, wenn jeder mit der Einstellung der Achtung, der Wertschätzung, der Ehrfurcht vor dem Kind diesem begegnet. Janusz Korczak hat diese Einstellungen in einer Weise gelebt, die so außerordentlich war, dass wir nie genug von ihm lernen können. Deshalb halten wir sein Erbe aufrecht. Er wie alle großen Pädagogen fordern die Lehrer und Lehrerinnen zur Selbstreflexion auf. Sie mögen sich zuerst selbst kennen lernen, bevor sie Pädagogen sein können. Diese wesentliche Voraussetzung lernen sie nicht.

 

Janusz Korczak, der seine Pädagogik aus dem von ihm selbst leidvoll erlebten Kontrast entwickelt, prangert die Schulen an. „... wir gleichen ihre Charaktere an, ordnen ihre Initiative aus. Wir haben die Kinder nummeriert, haben eine mit  Tausenden von Gesetzen, Verordnungen und Anordnungen dem Gefängnis ähnliche Disziplin eingeführt. Wir führen mit ihnen kluge Reden, die zum sophistischen Verständnis beitragen sollen. Die Kinder bekommen fast keine Luft in diesem brutalen, kalten, künstlichen Leben, das ohne jegliche Illusion und Poesie ist.“ (VK 51)

              

Janusz Korczak hat eine Vorstellung vom Kind, die völlig realistisch ist, er kennt keine Gefühlsduselei, sondern die genaue, liebevolle Beobachtung des Kindes wie es sich entwickelt, wie es im Prozess ist, steht im Vordergrund. Das Kind ist Subjekt und darf für nichts instrumentalisiert werden. Dafür stehen auch seine Kinderrechte.

 

„Achtung! Entweder wir verständigen uns jetzt, oder wir trennen uns für immer. Jeder Gedanke, der sich heimlich davonstehlen und verbergen will, jedes sich selbst überlassene, ungebundene Gefühl sollte zur Ordnung gerufen und durch den gebietenden Willen gezügelt werden.

            Ich fordere die Magna Charta Libertatis als ein Grundgesetz für das Kind. Vielleicht gibt es noch andere - aber diese drei Grundrechte habe ich herausgefunden:

            1. Das Recht des Kindes auf seinen Tod.

            2. Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag.

            3. Das Recht des Kindes, so zu sein, wie es ist.“ (WL, S. 40)

 

Das sind so äußerst fundamentale Rechte des Kindes. Gelebt werden sie höchst selten. Denn das würde eine Individualisierung des Lernens voraussetzen. In den pädagogischen Akademien wird die Vermittlung von Bildungsstandards gelehrt, anstatt jene Fähigkeiten und Fertigkeiten, die man braucht, um sich alle beliebigen Standards anzueignen.

 

"Nehmt euch in acht: der starke, brutale homo rapax bestimmt das moderne Leben; er diktiert die Verhaltensweisen. Seine Zugeständnisse an die Schwachen sind eine Lüge, unehrlich ist die Ehrerbietung für den Greis, die Gleichberechtigung für die Frau und das Wohlergehen für das Kind. Obdachlos irrt das Gefühl umher - ein Aschenbrödel.

Kinder jedoch - in ihrem Empfinden sind sie Königskinder, Dichter und Weise. Wir sollten Achtung haben, wenn nicht gar Demut, vor der hellen, lichten, unbefleckten, seligen Kindheit." (Das Recht des Kindes auf Achtung)

 

Mensch, Arzt, Pädagoge und Dichter.  Polnischer Jude in Warschau 1879 geboren und 1942 mit seinen Kindern im Konzentrationslager Treblinka ermordet. Wir pflegen sein Erbe, weil er unter wenigen die Liebe zum Kind im Besonderen und zu allen Menschen durch sein Leben und seinen Tod bezeugt hat. Obwohl ihm nahegelegt wurde, den Todeszug nicht zu besteigen, hat er seine ihm anvertrauten Kinder auf ihrem Weg in den Tod völlig bewusst begleitet.  Ein wahrhaft Gerechter, der auch seine Mörder und die seiner Kinder nicht gehasst hat.

 

Seine Pädagogik ist erzählend und konstitutionell. Erzählend in dem Sinn, als Janusz Korczak keine systematische Pädagogik geschrieben hat, sondern sie aus den Notwendigkeiten des Zusammenlebens mit den Kindern unter der Voraussetzung der Liebe zum Kind aus genauer Beobachtung entwickelt. Daher sind seine Bücher eine unerschöpfliche Quelle für den Pädagogen.

Janusz Korczak nennt sich einen „neuen, »konstitutionellen«"Pädagogen, der den Kindern nicht deshalb kein Unrecht zufügt, weil er sie gern hat oder liebt, sondern deshalb, weil es eine Institution gibt, die sie vor Ungerechtigkeit, Willkür und Despotismus des Erziehers schützt“ (SW 4, S. 312, vgl. dazu auch Beiner 1996, S. 339). Er führt eine Anschlagtafel ein, die das Leben in einer Gemeinschaft erleichtert, weil durch sie Informationen zwischen allen, Erziehern und Kindern,  leicht ausgetauscht werden können, einen Briefkasten, Regale für Spiele, Lexika, eine Handbibliothek, ein Heft für Eintragungen aller Art, ein „Kontrollbuch“ für Ausgänge und ein Heft für Tausch- und Kaufaktionen der Kinder und Jugendlichen, einen Schrank für Fundsachen, einen kleinen Laden[1]. Er hat diverse Dienste, eine Betreuungskommission, Konferenzen mit den Kindern, eine Zeitung von Kindern für die Kinder, ein Kameradschaftsgericht mit einer extra Gerichtszeitung und einen Sejm[2], ein Kinderparlament eingeführt (SW 4, S. 256 - 315). Korczak gibt allen diesen Einrichtungen eine besondere Bedeutung für die Entwicklung der Kinder. So lehrt die einfache Einrichtung des  Briefkastens auf „eine Antwort zu warten“, zwischen wichtigen und unwichtigen Angelegenheiten zu unterscheiden, „zu denken und zu begründen“, „zu wollen und zu können“ (SW 4, S. 259). In seinem Konzept der „Schule des Lebens“ (1907/08) weist Korczak auf die Fähigkeiten hin, die durch solche Einrichtungen motiviert und im Prozess der Tätigkeiten erlernt werden. Alles was auf den Entwicklungsprozess wirkt – und da hat der Erzieher ein unendliches Feld des Beobachtens und Forschens – wird in einer Weise gestaltet, dass es in die Richtung von mehr Handlungskompetenz in allen Erfahrungsbereichen in sich ausweitenden Räumen bis hin zum Globalen führt.[3] Was vermögen nun nach Korczak diese Einrichtungen für die entwicklungsdynamisch angemessene Handlungskompetenz der Schüler im genannten Sinn zu leisten?

Janusz Korczak hat ein Kinderparlament, ein Gericht, eine Schülerzeitung, einen Beschwerdekasten eingeführt, um auch sich als Erzieher und Lehrer vor Übergriffen zu schützen. Er schließt die Schule unmittelbar an die Notwendigkeiten des Lebens an. Er entwickelte eine "Schule des Lebens" (1907/08), in der er zeigt, wie aus den Notwendigkeiten des Zusammenlebens alle jene Kompetenzen gelernt werden können, wie sie der Lehrplan vorsieht. Deshalb schrieb er den Roman: Der Bankrott des kleinen Jack, in dem Jack auch wenn mit wenig Erfolg einen Laden für die Belange der Schule einrichtet. Wichtig ist nicht der Erfolg, sondern was Jack dabei lernt.

Literatur

Beiner, Friedhelm: Wer kann Erzieher sein? – Ein Bild des Erziehers bei Janusz Korczak. – In: engagement – Zeitschr. f. Erziehung und Schule, 1996, S. 326 - 342

Beiner, Friedhelm: Korczak-Pädagogik: Legitimation und Praxis Erzieherischen Handelns.– In: Öhlschläger, Rainer (Hrsg): Von Korczak lernen, heißt.... Zwei Aufsätze zur Korczak-Pädagogik.– Stuttgart: Akademie der Diözese Rottenburg, 1999 S. 11 - 39 (Kleine Hohenheimer Reihe, Band 37)

Beiner, Friedhelm: Achtung als zentraler Begriff der Ethik Kants und der Pädagogik Korczaks. – In: Korczak-Bulletin, Jg. 12 (2003), H. 2, S. 16 - 21

Benner, Dietrich: Allgemeine Pädagogik. Eine systematisch-problemgeschichtliche Einführung in die Grundstruktur pädagogischen Denkens und Handelns. – Weinheim und München: Juventa, 2001, 4. völlig neu bearb. Aufl.

 

Korczak, Janusz: Von Kindern und anderen Vorbildern. – Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 1985

Korczak, Janusz: Die Menschen sind gut. – In: Sämtliche Werke. Bd. 5. Hrsg. von Friedhelm Beiner und Erich Dauzenroth. Bearbeitet von Erich Dauzenroth und Friedhelm Beiner. – Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 1997, S. 139 - 158

Korczak, Janusz: Wie liebt man ein Kind. – In: Sämtliche Werke. Bd. 4. Hrsg. von Friedhelm Beiner und Erich Dauzenroth. Bearbeitet und kommentiert von Friedhelm Beiner und Silvia Ungermann. – Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 1999, S. 12 - 315

Korczak, Janusz: Das Recht des Kindes auf Achtung. – In: Sämtliche Werke. Bd. 4. Hrsg. von Friedhelm Beiner und Erich Dauzenroth. Bearbeitet und kommentiert von Friedhelm Beiner und Silvia Ungermann. – Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 1999, S. 385 - 413

Korczak, Janusz: Die Schule des Lebens. – In: Sämtliche Werke. Bd. 7. Hrsg. von Friedhelm Beiner und Erich Dauzenroth. Bearbeitet und kommentiert von Friedhelm Beiner und Silvia Ungermann. – Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2002, S. 311 - 456

 



[1] vgl. Der Bakrott des kleinen Jack (SW 12)

[2] Name des polnischen Parlaments

[3] vgl. König Macius der Erste (SW 11), vgl. dazu auch Dietrich Benners Konzept des ersten regulativen Prinzips der Pädagogik, der „pädagogischen Transformation gesellschaftlicher Einflüsse und Anforderungen“ (2001, S. 128).

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